10 Mai

Keine Gäste, keine Zukunft!

Keine Gäste, keine Zukunft: Binzer protestieren gegen Shutdown

30 Hoteliers und Restaurantbetreiber haben sich im Ostseebad einer deutschlandweiten Aktion angeschlossen und unbesetzte Stühle und leere Hotelbetten auf dem Kurplatz aufgestellt.

Durch die Corona-Krise sehen viele Gastronomen und Hoteliers ihre Existenz in Gefahr. Mit einer bundesweiten Aktion haben sie auf ihre Lage aufmerksam gemacht – auch im Ostseebad Binz. „Keine Gäste, keine Zukunft“, lautete hier das Motto. Es war eine betrübte Atmosphäre am Strand: Auf dem Kurplatz standen leere Hotelbetten und Stühle – symbolhaft für fehlende Gäste – in der Mittagssonne wie Mahnmale des Protests.

Gastronomen und Hoteliers wollen damit auf die existenzbedrohende Lage ihrer Unternehmen aufmerksam machen. Sie fordern ein baldiges Ende des sogenannten Shutdowns, der sie wegen der Corona-Krise Mitte März zur abrupten Schließung der Lokale und Herbergen zwang. Sie sehen den Fahrplan, den die Landesregierung vorgeben hat, nicht als Fahrplan an.

Eine von ihnen ist Viola Schmoock, die in zweiter Generation das Hotel „Jägerhof“ in Lancken-Granitz leitet. „Wir haben Existenzangst“, sagt sie. Der Binzer Kurdirektor Kai Gardeja benutzt dieses sprachliche Bild, das die derzeitige Situation zusammenfasst: „Es fühlt sich wie eine Hochzeit an, für die alles vorbereitet ist. Und dann kommen die Gäste nicht.“

„So kann und darf es nicht weitergehen. Haben wir keine Gäste auf der Insel, ist für viele auch die Zukunft unsicher. Wir brauchen als Mittelstand Zukunftsaussichten. Das Land ist derzeit nicht in der Lage, uns konkret mitzuteilen, wie es weitergehen soll“, sagt Jan Steinfurth. Zusammen mit seiner Frau betreibt er das Hotel „Villa Osada“ und organisierte dieses Treffen.

Knapp 30 Firmen – darunter Hotels, Vermieter von Ferienwohnungen, Restaurants sowie Einzelhändler und Handwerker – folgten der Einladung, um gemeinsam ihren leeren Stuhl zum stillen Protest aufzustellen. „Ich bin beeindruckt, wie viele Leute dem stillen Protest gefolgt sind. Ein großer Dank geht in diesem Zusammenhang an die Leiterin des Corona-Einsatzstabes Stine Winter, die sich beim Landkreis dafür eingesetzt hat, dass diese Zusammenkunft stattfinden kann“, sagt er.

Erspartes hätten die Wenigsten. „Das Geld, das wir erwirtschaften, fließt sofort wieder ins Haus. Das heißt, die Rücklagen sind nicht unendlich. Wir brauchen aber auch keine Gelder vom Staat, wenn wir unsere Arbeit machen dürfen“, sagt Jan Steinfurth. Konkret forderten er und seine Kollegen, dass sie unter Einhaltung aller hygienischen Vorschriften, ihre Hotels und Ferienobjekte wieder öffnen dürfen. Der Gesundheitsschutz und Hygiene sei dabei ein wichtiges Kriterium. Es sollen Desinfektionsmittel in allen Bereichen aufgestellt werden. Oder aber auch eine Umstellung in der Gastronomie. „Es ist zum Beispiel möglich, nur noch Einzelfrühstück statt Frühstücksbüfett anzubieten. Wenn es gar nicht anders geht, kann man auch auf die Mahlzeiten verzichten“, so der Hotel-Chef.

Seit sieben Wochen sind die Einrichtungen geschlossen. Keine Gäste, keine Einnahmen, bei weiterlaufenden Zahlungsverpflichtungen. „Wir sind die Ersten gewesen, die von den Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus betroffen waren und sind aber die Letzten, die auf Erleichterung hoffen können“, sagt Mario Kurowski vom „Strandhotel zur Promenade“. Das Haus wurde im vergangenen Jahr gekauft und bereits 50 000 Euro in Umbauarbeiten und die Fassade gesteckt. Im nächsten Winter sollte der Umbau des Gastronomiebereiches folgen. Doch die Corona-Krise brachte in diesem Jahr alles durcheinander. Für alle 13 Mitarbeiter ist Kurzarbeit angemeldet. Seine Forderung an die Regierung: „Die Tilgung soll auf Eis gelegt werden, damit es zu einer Entlastung kommt.“

„Die Situation ist bedrückend“, sagt Thomas Adrian. Er betreibt mit seiner Frau seit fünf Jahren die „Villa Meeresgruss“ mit 21 Einheiten. Zum einen möchte er mit seiner Beteiligung ein Signal an die Regierung senden. Aber auch an künftige Gäste nach der Corona-Zeit. „Es gab in der letzten Zeit zum Glück nur wenige Leute, die Rügen in ein schlechtes Licht gerückt haben, indem sie in sozialen Netzwerken Touristen beschimpften. Wir zeigen mit dieser Aktion, wie gerne wir auf der Insel Gäste haben und dass sie willkommen sind“, sagt er.

Ein Hoffnungsschimmer für die Hoteliers im Ort: „Die Nachfrage der Gäste ist weiterhin da. Die Buchungszahlen steigen“, sagt Jan Steinfurth. Viola Schmoock ist zwischenzeitlich der Mut verloren gegangen. „Wir haben in den vergangenen Wochen viel positives Feedback von den Gästen bekommen, das baut wieder auf.“

Quelle: Ostsee-Zeitung /04.05.2020

 

 

 

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